Jo Brenneis

Jo Brenneis wurde am 19. Februar 1910 in Aschaffenburg geboren. Bereits als Kind zeigte sich seine außergewöhnliche Begabung und Leidenschaft für die Malerei. Schon in der dritten Schulklasse fasste er den Entschluss, Künstler zu werden, und erhielt ersten Malunterricht bei der Malerin Marie von Fragestein. Anschließend studierte er an der Werk- und Kunstschule Offenbach in den Klassen der Professoren Doll, Maier, Kuders und Wolf.

Seit 1931 arbeitete Brenneis als freischaffender Künstler. In seinen frühen Jahren standen seine Werke noch unter dem Einfluss des Impressionismus und Expressionismus. Charakteristisch waren bereits damals seine intensive Farbigkeit und seine Vorliebe für leuchtende, südlich inspirierte Töne. Zahlreiche Studienreisen führten ihn ab 1933 ins Ausland. Besonders prägend wurde ein Aufenthalt in der Schweiz, wo er Paul Klee begegnete. Die Auseinandersetzung mit Klees Werk öffnete Brenneis den Weg zur Abstraktion und beeinflusste seine weitere künstlerische Entwicklung nachhaltig.

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Die Kriegsjahre von 1938 bis 1945 verbrachte Brenneis als technischer Zeichner bei der MAN in Mainz-Gustavsburg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm er seine Tätigkeit als freier Künstler mit neuer Intensität wieder auf. Es folgten zahlreiche Reisen und längere Aufenthalte in der Schweiz, Holland, Italien, auf Ischia, in Südfrankreich, Spanien, Mallorca sowie in den USA. In dieser Zeit pflegte er enge Kontakte zu bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten wie Pablo Picasso, Joan Miró, Eduard Bargheer, Werner Gilles, Feri Varga, Heinz Trökes und Hermann Schmidt-Schmied. Bereits 1949 bezeichnete ihn die Kunstkritik aufgrund seiner außergewöhnlichen Farbkompositionen als „Magier des Kolorits“.

1952 gehörte Brenneis zu den Mitbegründern der Künstlergruppe „Rote Reiter“. Ein Jahr später reiste er erneut nach Spanien und Mallorca, wo er mehrere Tage mit Joan Miró verbrachte. 1954 führte ihn eine Reise mit seinem Freund Feri Varga nach Cagnes-sur-Mer in Südfrankreich, wo er schließlich Pablo Picasso persönlich kennenlernte. Diese Begegnung beeindruckte ihn tief und führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit kubistischen Bildformen. Während eines sechsmonatigen Aufenthalts in Südfrankreich entstanden zahlreiche Werke, die die neuen Einflüsse unmittelbar widerspiegeln. Nach seiner Rückkehr wurden diese Arbeiten mit großem Erfolg im Badischen Kunstverein präsentiert.

Ein weiterer Wendepunkt folgte 1956 mit seinem ersten Aufenthalt in den USA, insbesondere in New York und Boston. Dort setzte sich Brenneis intensiv mit den Arbeiten von Jackson Pollock auseinander. Inspiriert von dessen experimenteller Bildsprache entwickelte Brenneis seine eigene, unverwechselbare Technik: Mit Rasierklingen bearbeitete er die Oberfläche seiner Gemälde und schuf dadurch sogenannte „geritzte Bilder“. Diese Werke zeichneten sich durch eine außergewöhnliche Lichtwirkung und strukturelle Tiefe aus und machten ihn international bekannt. Besonders Arbeiten wie die berühmte „Komposition in Rot“ fanden große Beachtung.

1958 gründete Brenneis den „Arbeitskreis bildender Künstler Rhein-Main“ sowie die „Vereinigung bildender Künstler Rhein-Main“. Mit diesen Künstlervereinigungen präsentierte er seine Werke unter anderem im Palazzo del Parco in Bordighera. In den folgenden Jahren nahm er an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil – unter anderem in Dijon, Paris, München, Frankfurt und Genua. Vor allem in Paris stießen seine innovativen „geritzten“ Arbeiten auf große Resonanz. Im renommierten „Salon des Réalités Nouvelles“ wurden seine Werke ausgestellt und festigten seinen internationalen Durchbruch.

Es folgten Ausstellungen in den USA, darunter in New York und Florida, sowie Präsentationen bis nach Santiago de Chile. Einen Höhepunkt seiner Karriere erreichte Brenneis 1964 mit einer bedeutenden Ausstellung in Mainz, bei der seine Gemälde gemeinsam mit Werken von Georges Braque, Marc Chagall, Otto Dix, Erich Heckel, Pablo Picasso und Heinz Trökes gezeigt wurden.

Bis zu seiner letzten Ausstellung im Jahr 1969 blieb Brenneis seiner künstlerischen Haltung treu. Seine Werke verbinden expressive Farbigkeit mit einer klaren kompositorischen Disziplin und zeugen von einem außergewöhnlichen Lebenswerk, das gleichermaßen von Experimentierfreude wie von großer künstlerischer Konsequenz geprägt war. 1970 zwang ihn eine schwere Krankheit dazu, seine Arbeit als Künstler frühzeitig zu beenden. Jo Brenneis starb 1994 in Hochheim bei Frankfurt. Seine Werke gelten heute als bedeutender Beitrag zur deutschen Nachkriegskunst zwischen Expressionismus, Abstraktion und informeller Malerei.

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